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Gedichte, Geschichten, Lustiges und Tiefsinniges, eben einfach Petra :-)

Die traurige Prinzessin und der Stern

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Die traurige Prinzessin und der Stern

Es war einmal …

eine sehr traurige Prinzessin. Einsam saß sie tagein tagaus in ihrem Kämmerlein, sah durch das Fenster in die blühenden Gärten ihres Reiches. Aber sie durfte nie hinaus in das Leben. Sie musste lange, lange Jahre in diesem Kämmerlein verharren. Es waren weder Fluch noch Willkür, die die Prinzessin zwangen, dort an diesem Ort gefesselt zu sein. Sie ganz alleine hatte es sich auferlegt, um etwas wiederzufinden, was sie verloren glaubte. Sich selbst.

Es gab keinen Menschen, der ihr helfen konnte. Diesen inneren Weg musste sie ganz alleine beschreiten. Und so geschah es auch. Tief nach innen führte der Weg der geschlossenen Augen, durch Labyrinthe, über Trümmerfelder, vorbei an Drachen und Dämonen. Viele neue Reiche entdeckte sie in ihrer Seelenlandschaft und jedes Mal tauchten mit ihnen Gefühle auf, die zwar vertraut erschienen, aber in neuer Intensität ihr Herz berührten. Es war, als schriebe sie in dieser Zeit eine neue Lebensmelodie aus bekannten Noten. Manchmal gab ihr das tiefen Frieden. Dann entspannte sie sich, hoffte und träumte sich zurück ins Leben. Aber bereits am nächsten Tag ging es wieder hinein in Schlachtfelder und Krieg. Zweifel, Angst und Ohnmacht ließen die Prinzessin an ihrem Schicksal fast zugrunde gehen. Die Irrgärten in der Gefühlsreise auszuhalten und auf dem Weg zu bleiben war nicht leicht, aber ganz tief im Innersten gab es eine Stimme die ihr sagte, dass alles genau so richtig sei. Und diese leise Stimme war voller Liebe, so dass die Prinzessin ihr Glauben schenkte und dadurch stärker wurde. In klaren Nächten sah sie oft aus dem Fenster zu einem besonderen Stern. Dieser sah anders aus als die anderen, hell leuchtend und von so einer bunten Farbenpracht, dass die Prinzessin weinen musste vor Rührung. Diesem Stern schenkte sie ihre ganze Sehnsucht, sie redete sich allen Kummer und ihre Einsamkeit von der Seele und spürte, dass ihre Worte ankamen. Der Stern schenkte ihr immer wieder neue leuchtende Farben, die sich erst in den Fenstern des Kämmerleins spiegelten und dann durch ihre Augen direkt in ihr Herz flossen. Und mit jedem Mal wurde ihr Herz leuchtender und glänzte in den Farben des Sterns.

Eines Nachts sprach der Stern zu ihr, es klang fast wie Musik: „Noch diese eine Nacht Prinzessin und Dein Herz wird vollkommen erfüllt sein von meiner unendlichen Liebe, mit meinen Farben und Klängen. Dann darfst du hinaus, zurück ins Leben. Dann wird deine nun erlöste Liebe die Menschen verzaubern dürfen und sie daran erinnern, wer sie in Wirklichkeit sind. Liebe, die sich spiegelt. Wenn Liebe sich spiegelt ist sie zutiefst berührt von sich selbst, dann erkennt sie sich immer wieder aufs Neue, dann strömt sie frei und unendlich in das hinein, was lebt und atmet. Sie nimmt alles mit sich fort was scheinbar nicht Liebe ist, so lange bis es sich verwandelt und erkennt, dass es auch nur Liebe war und immer noch ist. Liebe, die eine Zeit lang Verstecken spielte. Prinzessin, es ist bald soweit. Schlaf nun, denn der Tag wird dich zurück ins Leben tragen.“ Und ein letztes Mal sprudelte der Stern seine Farben und Klänge in das Herz der Prinzessin, bis es ganz und gar erfüllt war.

Lange noch lag die Prinzessin wach, aufgewühlt und doch so hoffnungsfroh, so neu lebendig, so voller Liebe. Ihr Herz klopfte laut und mit jedem Schlag sprudelten das Licht, die Liebe und die Farben des Sterns in den Raum, erfüllten ihn und flossen wieder zurück in das Herz der Prinzessin. Wie in einem ewigen Kreislauf.

Dann schlief die Prinzessin lächelnd ein und als sie erwachte, schien die Morgensonne mit lustig tanzenden Funken in ihr Kämmerlein. „Steh auf Prinzessin!“, sagte sie. „Es ist Morgen geworden. Nimm auch von mir einige Strahlen in dein Herz und dann öffne die Tür. Geh hinaus und zeige dich. Glaube wieder an Wunder!“

Die Prinzessin tat wie ihr die Sonne geheißen. Sie öffnete die Tür, trat in den Garten und sah die Menschen. Ein wenig ängstlich noch machte sie die ersten Schritte hinaus. Jedoch die Menschen schauten sie achtungsvoll und freundlich an, einige verneigten sich leicht und lächelten herzlich. Manche begleiteten sie sogar auf dem Weg. Dann kam die Prinzessin an einem Brunnen vorbei. Sie schaute in das klare Wasser, sah ihr Spiegelbild und erkannte sich selbst kaum wieder. Der Brunnen schickte eine kleine zarte Welle über ihr gespiegeltes Antlitz und sagte: „Prinzessin, einst verloren und klein, ab heute wirst du die Königin sein!“

Und sie verstand: Nur wer mutig in die dunkle Tiefe geschaut, wer gelernt hat auch das zu lieben, was den freien Fluss der Liebe verhindern will und wer sich untrennbar mit seinem Stern verbindet, um ihn zu spiegeln, der wird auch die Kraft bekommen, weise und voller Liebe sein Reich zu regieren.

So ging die Königin durch den blühenden Garten zu ihrem Schloss und mit jedem Schritt den sie seitdem tat, mit jedem Blick aus ihren Augen, verströmten sich die Liebe, die Farben und die Melodie des Sterns über ihr Reich, sowie über alle Menschen, die dort lebten. Immer weiter ging ihr Weg. Neue Erfahrungen, Begegnungen und Visionen verschmolzen mit der Liebe des Sterns in ihrem Herzen, sie ließen das Licht noch heller leuchten und spiegeln.

Und da sie nicht gestorben ist – denn Liebe ist unsterblich – regiert sie noch heute.

© Petra Möller

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