einfachpetra

Gedichte, Geschichten, Lustiges und Tiefsinniges, eben einfach Petra :-)

Gedanken – Diarrhoe

Aus meinem Buch „Erleuchtungsdemenz …“, also schon etwas älter.:-)

Heiligenschein

Gedanken – Diarrhoe

„Im Falle des Durchfalles ist Tempo wirklich alles!“
(aus ‘Klo – Sprüche’)

Endlich liege ich nach einem langen Tag im Bett, möchte nur noch schlafen.
Doch ein kleines zappelndes Männchen in meinem Kopf sagt: „Denkste!“. Es dreht mir eine lange Nase und fängt an, wie ein Wasserfall zu quatschen. Dabei geht es nicht darum, was gequatscht wird, sondern das möglichst viel gequatscht wird.
Kennt Ihr das auch? Ich frage mich natürlich wer da quatscht, denn ‘Ich’ bin es definitiv nicht. Ist es mit den Gedanken etwa genauso wie mit unserer Verdauung? Meistens läuft alles normal und in Maßen, aber wehe, wenn wir etwas Falsches gegessen haben oder uns ein fieser Magen – Darm – Virus befällt. Genauso auch bei Prüfungsangst, Lampenfieber oder freudiger Aufregung. Dann verlieren wir jede Kontrolle über unsere Verdauung und können eigentlich nur noch eins: Laufen! Und natürlich loslassen. Entgiftung Marsch! Durch – Marsch … lateinisch: Diarrhoe.
Ist unser Verstand womöglich auch so konzipiert, dass er ab und an entgiften muss, indem er eine mehr oder weniger gehaltvolle Gedanken – Diarrhoe durch unseren Kopf schießt? Ich weiß es nicht, es ist nur eine Mutmaßung, die mir gerade logisch erscheint. In diesem abendlichen Gedanken – Durch – Fall kommt jedenfalls nichts Gescheites bei heraus, weder Kreatives noch Hilfreiches. Einfach nur sinnloses Gequatsche, das im Nebel der Müdigkeit verhallt. Ich versuche, mich nicht darüber zu ärgern, sondern es zu beobachten ohne jede Bewertung. Der Satz: „Ich bin nicht diese Gedanken!“, hilft manchmal, manchmal aber auch nicht. Um den Geist zu beruhigen gibt es inzwischen tausende Möglichkeiten, teilweise wurden sie aus dem Buddhismus importiert. Oder man wählt etwas Einheimisches wie ‘Autogenes Training’.
Funktionieren können diese Möglichkeiten natürlich, sofern man genug Disziplin aufbringt. Ich gestehe ehrlich: Disziplin war noch nie meine Stärke. Übungen jeder Art machen mich sofort müde, deshalb schlafe ich meistens dabei ein. Was toll sein kann, denn wenn ich einschlafe, hört die Gedanken – Diarrhoe natürlich auch auf. Super, es hat also geholfen! 😉
Dann gibt es noch die inneren Quassel – Dialoge. Zum Beispiel, wenn wir von einer anderen Person beleidigt oder verbal überrumpelt wurden und nicht sofort entsprechend reagieren konnten. Hinterher holt man das im Geiste nach und ‘ES’ quasselt endlose Diskussions- Dialoge mit der nun imaginären Person, bis hin zur totalen Erschöpfung.
Neulich wollte mein Quassel – Männchen mich ganz besonders ärgern. Es sang unentwegt den „Zellen – Song“ in meinem Kopf, obwohl es wusste, dass mir davon übel wird. „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich, jede Körperzelle fühlt sich wohl … „ Dazu noch das passende Video in den Kopf beamen, das ich dank einer Bekannten bereits entsetzt bei ‘Youtube’ gesehen hatte. Eine Horde Beknackter performt dort mit fluffigen, kindlich bis senilen Bewegungen den ‘Zellen – Song’. Gibt es nicht eine Fernseh – Serie mit dem Namen „Neues aus der Anstalt?“ Würde hier auch passen. Ups … ich entschuldige mich lieber gleich mal bei denen, die das Lied und den Tanz gut finden. Geschmäcker sind eben verschieden … und Zellen wohl auch. Meine Bösartigkeit dem Tanz – Lied gegenüber rechtfertige ich mal folgendermaßen: Ich bin in der DDR groß geworden und das auch noch mit vollkommen autarken Pippi Langstrumpf – Zellen, die sich einfach jeder Art von Gruppen – Wahnsinn bockig widersetzen müssen und wahrscheinlich auch noch Karma mit Massenmanipulation haben. Sonst würden sich meine Pippi – Zellen ja nicht so über das schöne Glücks – Lied aufregen, sondern milde und gelassen wie ein Buddha lächeln, anstatt wie momentan neue, sehr böse Texte dazu zu singen. (Die erspare ich Euch aber lieber!)
Es hilft nichts, ich muss in diesem (Durch -) Falle die Glücksresistenz meiner Zellen akzeptieren und ein böses aber authentisches Mädchen bleiben.

Doch zurück zu der Gedanken – Diarrhoe. Es wäre doch ein Unding, wenn dieser Durchfall nicht auch eine positive und schöne Seite hätte.
Und hurra, ich entdecke sie manchmal! In Form von nicht zu stoppender Kreativität!
Zum Beispiel wenn ich einen Auftrag von meiner Freundin bekomme, Werbetexte für ihre Agentur zu entwerfen. Dann rastet mein Quassel – Männchen vor Glück fast aus und befeuert mich mit Unmengen von Ideen, die ich dann turbomäßig in meinen Laptop tippe. In solchen Momenten brauche ich kein Glückslied für meine Zellen, denn dann bin ich selbst pures Glück. Die Pippi – Zellen tanzen wie wild nach AC/DC und machen ‘Headbang’. (Erwähnte ich schon, dass ich im Aszendent Schütze geboren wurde? Daher die maßlosen Übertreibungen!)
Auch meine Geschichten, die hier und in meinem ersten Buch zu lesen sind, entstanden durch Gedanken – Diarrhoe. Ein Stichwort und es rasselt plötzlich und unerwartet los. Früher, als ich noch in meiner Heimatstadt Schwerin lebte, kamen diese Ein – Fälle oft in der Straßenbahn. Dann konnte ich nicht schnell genug zum Aufschreiben nach Hause rasen, aus Angst etwas Wesentliches zu vergessen.
Es ist also wie es ist: Alles hat immer zwei Seiten, selbst so unangenehme Dinge wie Diarrhoe. Ich versuche nun, es mit Humor zu betrachten.
Wenn mein Quassel – Männchen mich wieder vom Schlafen abhält, dann beobachte ich es milde wie eine Mutter ihr ungezogenes Kind und weiß: Wenn mein Männchen genug entgiftet hat, dann kommt auch bald wieder eine schöne Geschichte heraus.
In diesem Sinne: Gute Nacht und viele geniale Ein – oder Durchfälle!

© Petra Möller (aus dem Buch „Erleuchtungsdemenz und andere ICH – Störungen)

 

 

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