einfachpetra

Gedichte, Geschichten, Lustiges und Tiefsinniges, eben einfach Petra :-)

30 Jahre Petra und Peggy

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30 Jahre Pe & Pe – geballte Mädelspower mit Tiefgang

Es war am 3. September 1984, als ich den Klassenraum für die Apothekenlehrlinge in der medizinischen Fachschule betrat. Der noch einzige freie Platz neben ihr, neben Peggy und an diesem schicksalhaften Tag spürte ich zum ersten Mal bei einem Menschen so etwas wie Seelenverwandschaft (auch wenn ich den Begriff damals noch nicht kannte). Eine Vertrautheit, als würde man sich schon lange kennen und die merkwürdige Gewissheit, sich nie wieder zu trennen.:-) So begann die Geschichte, unsere Geschichte für dieses Leben.

Als ich von einer Lehrerin erfuhr, dass Peggy totkrank sei und nicht lange leben würde, traf mich das zutiefst. Aber es war auch ein inneres Wissen da, dass diese Aussage so nicht stimmt. Mucoviscidose, zu DDR- Zeiten ein sicheres Todesurteil. Doch eines Tages kam die Wende, brachte neue Medikamente und Möglichkeiten mit sich. Peggy lebt weiter, was für ein Glück, für mich und den Rest der Welt! Ihre immer positive Einstellung, ihr starker Lebenswille, wieviel durfte ich – schon immer ein wenig depressiv und polaritätsmüde – dadurch bereits in jungen Jahren lernen und wertschätzen!

Unsere Freundschaft überlebte bis heute unendlich viel Schmerz und Leid bei jedem einzelnen von uns, doch das hat uns und unsere Freundschaft stärker gemacht, intensiver und bewusster. Der Suizid meines Vaters und etwas später der Tod meines Mannes Thomas, der Verlust meines ungeborenen Kindes danach, alle Abstürze und Krankheiten der folgenden Jahre, Peggy war da. Ich zitterte unzählige Male um ihr Leben, das viel zu oft auf Messers Schneide stand. Dann das Geschenk ihrer Lungentransplantation. Ich sehe mich heute noch bitterlich weinend vor Angst am Telefon sitzen, bangend auf den Anruf wartend, ob Peggy überlebt hat. Ich hätte es nicht ertragen, auch noch meine Freundin zu verlieren. Dieses neue Leben danach war nicht nur für Peggy selbst ein Geschenk, sondern auch für mich und alle anderen Menschen die sie lieben.

Wenn man gemeinsam so viel Hölle erlebt hat, dann genießt man die himmlischen Zeiten umso intensiver und ausgelassener. Egal wie viele Jahre und Schicksalsschläge vergingen, etwas blieb in unserer Freundschaft beständig: Freude, Tanzen, Lachen bis zur Atemnot und immer wieder die Hoffnung auf lebendiges Leben. Dann die Liebe zum Schreiben, unsere kleinen Gedichte am Anfang, unsere Bücher von heute. So viel Teilhaben, so viel Feuer am Kreativen und die doppelte Freude bei einem Erfolg. Neidloses, begeistertes Mitfreuen ist eine Qualität, die uns beiden zu eigen ist.

Und natürlich sind wir mit den Jahren auch unglaublich weise geworden, ist ja klar wie der Grauschleier im Haar … aber dennoch können wir noch genauso kindlich gackern, feiern und die unglaublichsten Dinge in unserer grenzenlosen Phantasie erleben, wie damals mit 16. Vielleicht tanzen wir nicht mehr wild im Nachthemd nach „La isla Bonita“ auf dem Tisch und sind auch etwas dezenter im Genuss von Hallorenkugeln geworden, aber was macht das schon. Es gibt auch keine Trabifahrten mehr mit leierndem, batteriebetriebenen Sternrekorder auf dem Rücksitz, aus dem Klaus Lage singt und wir uns unendlich frei fühlen. Na und? Unsere seltenen gemeinsamen Mädelstage genießen wir eben doppelt, wenn auch ein wenig altersgerechter und auf Grund unserer hochspirituellen Entwicklung mehr meditativ (Spaaaaaß!). Salzgrotte mit Entspannungsmusik und anschließendem Massage- Foltersessel ist ja auch toll, das gab es in der DDR schließlich noch nicht. Genauso wenig wie Handy und Skype. Letzteres ist wirklich eine herrliche Möglichkeit trotz größerer Entfernungen gemeinsam Kaffee zu trinken und die neue Frisur oder diverse Errungenschaften des anderen zu bewundern.

Ja, ich bin sehr dankbar heute und auch ein wenig nostalgisch, mit einem Rührungstränchen im Auge. Für eine wunderbare Freundschaft und Seelenverwandschaft. Ein Geschenk des Himmels für den Weg im Körper durch die Unwegsamkeiten der Polarität.

Diese himmlische Energie hat nun vor fast 26 Jahren meine Tochter mit in die Wiege gelegt bekommen, indem ich mein Verprechen hielt, das ich meiner Freundin schon mit 16 Jahren gab: „Wenn ich irgendwann eine Tochter bekomme, wird sie Peggy heißen, wie Du.“ Und auch dieses große Ereignis der Geburt meiner Tochter konnten wir teilen. Die kleine und die große Peggy nennen wir sie seitdem, um zu unterscheiden, wer denn nun gemeint ist. Heute ist die kleine Peggy allerdings fast einen Kopf größer als ihre Namenstante.

Meine liebe große Peggy (mit so großem Herzen), es ist wunderbar, mit Dir meine und Deine Lebensgeschichten zu teilen, zu verknüpfen und das durch alle Zeiten. Erinnerst Du Dich an unser einstiges Lieblingslied von Hubert Kah?

„Goldene Zeiten … das Paradies ist Wirklichkeit … oh wie schön, goldene Zeiten, ja es ist soweit! …“

Das Paradies und die goldenen Zeiten haben alles überlebt und werden auch weiterhin alles überleben, selbst den Tod. Dieser Teil ist unzerstörbar. In unseren Herzen und in unserer uralten Seelenverwandschaft! Danke liebe Peggy für ALLES und dass Du mich hier in der polaren Wildnis hoffentlich noch weitere 30 Jahre weiterbegleiten wirst. (Tschakka!)

Ein Kommentar

  1. klausneudek

    So haben wir sicher alle unsere Seelenverwandten getroffen. Ähnlich ging es mir auch. Liebe Grüsse !

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