einfachpetra

Gedichte, Geschichten, Lustiges und Tiefsinniges, eben einfach Petra :-)

Erklärbär, Zuhörstör und Ausweinschwein

Letzten Dienstag gab ich für NDR1 Radio MV ein Interview zum Thema ‚Jung verwitwet‘, einmal als Betroffene und auch als ausgebildete Trauerbegleiterin. Es war gerade 12 Stunden her, dass ich mich von meinem wunderbaren Hund verabschieden musste und ich hatte verzweifelt hin und her überlegt, ob ich das Interview absage oder nicht. Ich entschied mich dann doch dafür, wollte aber authentisch bleiben. Eine Stunde vorher begab ich mich in eine tiefe Meditation. Ich erinnere mich dann nur noch, dass ich der netten Moderatorin 2 Stunden lang Rede und Antwort stand. Keine Ahnung im Nachhinein was sie fragte und was ich antwortete. (Die Auflösung erfolgt am 18.11.)
Heute fiel mir dann noch etwas sehr Schönes zum Thema ein, was ich mit Sicherheit nicht so gesagt habe. 😉 Drei Vergleichstiere, die in einem guten Trauerbegleiter wohnen sollten… mehr oder weniger. Der Erklärbär, der ja ansonsten in der Welt gute Dienste tut, er sollte in so einem Falle sehr zurückhaltend sein, auf keinen Fall mehr als 5% Raum einnehmen. Und unbedingt sollte er vermeiden, etwas weg-zu-erklären, wie z.B. die Trauer oder den Schmerz. (Bsp.: „Sei nicht traurig, er/ sie hat nicht gelitten und doch ein schönes Leben gehabt.“) Pfui! Das ist kein Trost, das ist eine schmerzhafte Abwertung der Gefühle. Bitte auch keine Versuche, den Tod zu erklären … nein… auch nicht spirituell schöngefärbt!!! Nicht in so einem Moment! Der Zuhörstör und das Ausweinschwein sind leider nicht so beliebt, weil sehr wenige Menschen es ertragen NUR zuzuhören, ohne das Gesagte zu kommentieren. Dem Ausweinschwein geht es nicht besser, denn wer kann schon unendliche Tränenströme aushalten? Es erinnert und spiegelt doch die eigene Angst vor Tod und Trauer. Diese beiden Tiere zuerst in sich selbst zuzulassen, bedeutet Heilung. Sie verhelfen Dir zu wahrer Empathie und Herzensgüte. Sie machen Dich menschlich, verletzlich und schön. Ich durfte es einmal vor vielen Jahren bei einer Therapeutin erleben. Heulend und zähneklappernd kötzelte ich ihr mein ganzes Elend in die Praxis, ein nicht enden wollender Strom. Sie hatte die ganze Zeit beruhigend und mütterlich ihre Hände auf meinen Schultern. Als ich endlich fertig war, sagte sie mit warmer Stimme und offenem Herzen: „Ich verstehe dich!“. Das war die schönste Therapie meines Lebens. Der Zuhörstör und das Ausweinschwein sind wunderbare herzenswarme Tiere. Ich füttere sie seitdem mit viel Liebe.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: