einfachpetra

Gedichte, Geschichten, Lustiges und Tiefsinniges, eben einfach Petra :-)

Der innere Richter

Ich möchte Euch gerne (m)eine Geschichte erzählen.

Als ich ein Kind war, bettelte ich Oma und Opa immer wieder an: „Erzählt mir von früher, vom Krieg.“ Und das taten sie, jeder auf seine Weise. Oma von der Flucht, Opa von seiner Zeit in der russischen Gefangenschaft in Sibirien. Aber beide sprachen nie von der Zeit kurz vor dem Krieg, wenn ich sie fragte. Da waren Scham und viel Angst vor Urteil. Denn hinter diesen Fragen verbarg sich meine eigentliche Frage: „Wie konnte es soweit kommen?“ Ich liebte meine Großeltern von Herzen, es lag mir in meinem ‚Kindsein‘ fern sie zu verurteilen oder zu verletzen, daher fragte ich nicht mehr, obwohl ich neugierig war.

Als rebellischer Teenie stritt ich einmal fürchterlich mit meinem Vater. Er kam von einer Parteiversammlung der SED, schimpfte wie so oft über den „Saftladen“ und das er den roten Idioten am liebsten das Parteibuch vor die Füße knallen würde. Ich reagierte extrem genervt, wollte ihn provozieren. Ich fand ihn in dem Moment peinlich und feige. „Warum trittst du nicht ehrlich aus dem „Saftladen“ aus, anstatt immer nur zu meckern über die verlogene Gesellschaft?“ Mein Vater reagierte ernst und plötzlich ganz still auf meinen Vorwurf. Er antwortete: „Damit DU keinen Ärger in der Schule bekommst, damit DU eine vernünftige Lehrstelle bekommst und nicht im Konsum oder im Kabelwerk landest.“ Auf diese Argumente reagierte ich damals mit Trotz und Verachtung, auf ihn und diese ganze „verlogene Gesellschaft“.

Einige Zeit später, im Jahr 1989, ich habe ein sechs Monate altes Kind und lebe nach der Trennung vom leiblichen Vater wieder in der kleinen Wohnung meiner Mutter, in der Hoffnung bald eine eigene Wohnung zu bekommen. Mein Vater lebt nicht mehr zu dieser Zeit. Die Nachrichten überschlagen sich, viele Menschen flüchten über Ungarn in die BRD, oft auch sehr dramatisch und gefährlich mit ihren kleinen Kindern. Viele Menschen regen sich darüber auf. Die spinnen doch, wir haben es doch gut hier, keiner muss verhungern… Die werden schon sehen, was sie „drüben“ erwartet. Undankbares Pack! Da ist auch nicht alles Gold was glänzt. Ich bin verwirrt und habe Angst. Bleibe ich hier womöglich alleine übrig in diesem komischen Land? Was ist das Beste für mein Kind? Ich weiß es einfach nicht. Die Montagsdemos beginnen. Ich fühle, es ist richtig, was diese Menschen wagen, die mutig auf die Straße gehen, denn so geht es nicht weiter. Mein damals aktuelles Umfeld verurteilt auch die Demonstranten. Doch ich bewundere still diese Rebellen, irgendwann möchte ich auch mitgehen, denn ich sehe immer mehr Menschen, die sich anschließen. Aber ich habe Angst, Angst die auch meine Mutter sehr intensiv bestätigt. Was passiert, wenn die Stasi mich verhaftet? Vielleicht nehmen sie mir mein Kind weg. Zwangsadoption, darüber weiß man ja einiges. Schlimme Bilder im Kopf. So bleibe ich zu Hause und erlebe die Wende vor dem Fernseher. Als ängstliche, unsichere, junge Mutter, keine Heldin der friedlichen Revolution! Ich schäme mich, wie so oft in meinem Leben. Ich schäme mich für meine Feigheit und auch dafür, meinen Vater so verurteilt zu haben und kann ihm das nicht einmal mehr sagen, denn er ist tot.

Ich erinnere mich in den folgenden Jahren immer wieder an Details, die mein Vater erzählte aus seiner Kindheit in der Hitlerjugend. Von Härte, Demütigungen und Zwang. Im Rückblick wurde mir klar, dass ich genau das auch erlebt hatte in der Pionierorganisation, in der FDJ und sogar im Sportunterricht. Wenn man mitten drin steckt, erscheinen die ungerechtesten Dinge wie normal, oder? Man kennt es ja nicht anders. So also werden Menschenmassen manipuliert, dämmerte es mir langsam. Was wurde in der DDR für eine Propaganda betrieben, die Nazis beschimpft, der böse, faulende parasitäre Imperialismus verurteilt. Und doch wurde so viel aus dieser Zeit übernommen zur Manipulation, nur unter einem anderen Deckmantel und natürlich für den Frieden! Und die DDR hielt sich bekanntlich sehr lange auf diese Weise.

Viele Jahre später, meine Tochter ist längst ein Teenie, wir sprechen über meine Kindheit und Jugend in der DDR. Für sie ist es unverständlich, dass ich das alles mitgemacht habe, ohne mich zu wehren und ich spüre hautnah ihre Verachtung und gleichzeitig meine eigene Ohnmacht. Ich erinnere mich gut an die Situation mit meinem Vater in diesem Moment und nehme es meiner Tochter daher in keiner Weise übel. Aber es tut weh in diesem Moment, sehr weh!

Was ich mit dieser Geschichte sagen möchte: Es ist immer die Angst, die uns gefangen hält in Systemen. Und damit meine ich nicht nur staatliche, sondern zum Beispiel auch Familiensysteme. Angst gibt die eigene Verantwortung ab. Wir wollen regiert werden und trotzdem frei sein und unser Ding machen. Wie soll das gehen? Es ist ebenso die Angst, die uns urteilen und verurteilen lässt, es ist Angst, wenn wir arrogant glauben, es besser zu wissen. Es ist Angst, wenn wir andere beleidigen und abwerten.

Und nun sind wir wieder an einem Punkt, an dem sich die Geschichte der Menschheit wandeln wird, das ist gut so. Was ist jetzt also zu tun? Wollen wir wahrhaftig Frieden oder bleiben wir um des „lieben Frieden willens“ in einem Gefängnis der Angst? Wollen wir weiter Menschen beschimpfen, die anders denken, um uns dadurch mächtiger in unserer eigentlichen Ohnmacht zu fühlen? Um im Außen etwas bewirken zu können, braucht es erst einmal einen tiefen Wandel in uns selbst, die Transformation unserer Angst. Denn Angst ist kein guter Ratgeber. Die Wahrheit kann niemals erkannt werden, solange wir in Angst schwingen. Übrigens ist auch Wut lediglich Angst. Bevor wir also einen anderen Menschen in eine Schublade einsortieren mit all diesen lächerlichen aktuellen Namen, sollten wir ihm in die Augen sehen, somit in seine Seele schauen und erkennen, dass dort weder ein „verschwörungstheoretischer esoterischer Nazi“ noch ein „Schlafschaf“ in diesem Körper wohnt, sondern ein MENSCH. Mit all seinen Ängsten, aber auch mit seiner Liebe. Wir sind so verwundbar in dieser Angst, besonders wenn man Kinder oder Enkel hat. Solange die Angst regiert, können wir nicht mit Liebe denken, sprechen und auch nicht handeln.

Daher ist es jetzt so wichtig, die eigenen Ängste gründlich und kompromisslos zu beleuchten, sie zu verwandeln und immer wieder mit dem Herzen zu sehen, zu fühlen. Die Angst anzunehmen, sie nicht zu verdrängen und sie dann liebevoll mit der Kraft des Herzens erlösen. Dann können wir unsere Wahrheit sehen und ihr eine Stimme geben. Dann fühlen wir uns nicht mehr so angegriffen, wenn andere uns beschimpfen, denn dann sind wir im Mitgefühl mit diesen Menschen, auch wenn sie vielleicht wütend den Kontakt abbrechen, so wie es gerade häufig geschieht. Aber dann müssen wir uns nicht über sie erheben, um uns besser zu fühlen, weil wir die Angst ja selber so gut kennen. Und wir können unsere Energie lieber dafür verwenden, eine neue friedliche Welt zu erschaffen, anstatt uns zu verteidigen und zu streiten, wie sture Ziegenböcke auf einer schmalen Brücke.

Jeder erschafft seine Welt auf seine Weise. Laut oder leise. Wenn es bewusst geschieht, wird etwas Schönes erblühen. Denn erst dann kann Eigenverantwortung aus der Ohnmacht herauswachsen. Dann kann auch die eigene Wahrheit sich von innen nach außen bewegen, eine Stimme bekommen und sichtbar werden ohne Angst. Dann brauchen wir auch keinen Messias im Außen, der uns rettet, dann erkennen wir den Messias in unserem eigenen Herzen und aktivieren ihn.

Und dann können gefahrlos und voller Freude die Masken fallen. Was wir selbst einzeln und auch als Kollektiv durch Angst erschaffen haben, können wir auch nur selbst wieder heilen. Solange die Angst regiert, ist Freiheit unmöglich. Wenn die Angst gewandelt ist, wird Freiheit ein Gefühl, das unabhängig vom Außen existiert. Und dann wandelt sich eines Tages auch das Außen, denn es macht das Innere sichtbar.

Bald nun erblickt mein Kinderbuch das Licht der Welt, es handelt von einer kleinen Maus mit einem großen Herzen. Davon, was Liebe bewirken kann. Das ist mein Beitrag, mein kleiner Tropfen Liebe. Viele kleine Tropfen können einen Ozean erschaffen.

 

Im Trost des roten Himmels

Im Trost des roten Himmels,

im Blau die Seele ruht,

nach außen drückt die Maske,

aus Schlaf, Unbewusstheit und Wut.

Doch bricht sie auf, so fließt und strömt,

die Seele voller Kraft und Mut,

in alles was noch schläft und träumt.

WACH sein, WAHR sein, KLAR sein,

das ist und bleibt das letzte Ziel

 … im dualen Spiel.

 

 

© Bild und Text Petra Möller

Seit ich mich traue ein Kind zu sein

Seit ich mich traue, ein Kind zu sein, ist Leben nicht mehr schwer. Manchmal ist es traurig, ja, aber keinesfalls schwer. Die Schwere zeigt sich nur dann, wenn Gefühle nicht gelebt und gezeigt werden. Ich denke oft mit Tränen der Dankbarkeit und Liebe an meine Omi zurück, bei der ich immer Kind sein durfte, ungebremst, unverbessert, grundlos geliebt. Dadurch erinnere ich mich jetzt, wie es geht.

Ich tue spontan Dinge, die der scheinbar erwachsenen Vernunft völlig abgehen. Ich nehme mir nun jede Woche einen Tag frei um alberne Erdmännchen zu malen, ein Instrument zu lernen, für das ich laut Statistik zu alt bin und um mit Herzensschwestern/brüdern im Cafe zu sitzen und Lebendigkeit zu spüren. Wir reden nicht mehr über Sorgen oder alte Drama – Geschichten, sondern über das was uns bewegt und begeistert. Wir tauschen diese Begeisterung aus und befruchten uns damit wie Bienchen die Blümchen.  Wir blühen. An den „Sandschaufelkämpfen“ der scheinbar Erwachsenen im Buddelkasten des Alltags nehme ich einfach nicht mehr teil.

Oft gebe ich Geld aus ohne mich wie früher ängstlich zu kontrollieren oder gar zu rechtfertigen, aber dafür jetzt mit totaler Freude. Für Malkästen, Noten, Kaffee und besonders gerne Geschenke für meine Liebsten. Rein materielle Dinge brauche ich immer weniger, da spare ich ungemein, obwohl ich gar nicht spare.  Seit ich weniger über Geld nachdenke, bleibt es im Fluss.

Ich denke generell nicht mehr so viel und fühle dafür mehr. Wenn andere komplizierte Erklärungen von mir erwarten, habe ich meistens keine Lust und sage gerne fröhlich: „Da fällt mir gerade nix zu ein.“ Oder ich empfehle ein Buch. Der Erklärbär ist in ein Schweigekloster gegangen und meditiert … endlich! Ich lerne täglich von Spatzen, Meisen und sogar Ameisen wichtige Dinge fürs Leben.

Wenn mir etwas keinen Spaß mehr macht, dann nörgele ich gerne erst eine Weile rum aus alter Gewohnheit, aber dann  höre ich damit auf und starte etwas Neues. Ich weiß genau: Wenn mir das, was ich tue keine Freude bereitet, so ist es auch für andere wertlos. Ich veranstalte keinerlei Werbung mehr und dennoch habe ich genug Arbeit. Anstatt mich zu verkaufen bin ich einfach nur da. Alles andere spricht sich auch so herum.

Oft weiß ich vor lauter Freude, Ideen und Neugierde gar nicht, was ich zuerst machen möchte. Jetzt genieße ich das ausgiebig, sogar dann, wenn ich am Ende des Tages gar nichts davon gemacht habe. Das traute ich mich selbst in meiner Kindheit nicht. Dieser Mut kam erst viel später, als ich erkannte, dass nur ich selbst mich begrenzen und verurteilen kann, andere Menschen dienen lediglich als Spiegel.

Seit ich mich wieder traue, ein Kind zu sein, kann ich selbst dem Tod entgegenlächeln, weil meine Lebendigkeit sowieso unsterblich ist. Sie lebt in allem was uns umgibt weiter, sichtbar und unsichtbar.

© Petra Möller

Vergissmeinnicht – Ein Buchprojekt

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Ihr Lieben!

Hier und heute geht es um etwas ganz Besonderes, um einen Prozess, der ein Jahr dauerte und nun als Buch in die Welt möchte. Diesmal habe ich es nicht selbst „vollgeschrieben“, sondern es warten viele leere Zeilen darauf beschrieben zu werden, umrahmt von den wunderschönen Zeichnungen von Liza Denski, einer jungen Künstlerin, sowie der tollen Grafik und dem Layout meiner Freundin Corina Witte-Pflanz von ooografik.

„Vergissmeinnicht – Ich habe eine Geschenk für dich“ ist ein sehr spezielles Erinnerungsbuch für Menschen, die am Lebensende stehen und es (ausgefüllt) einem geliebten Menschen schenken können. Ein Buch lebendiger Erinnerung und Intimität.

Ich versuche nun, dieses qualitativ sehr hochwertige Buch über ‚Startnext Crowdfunding‘ finanzieren, einer ganz wunderbaren und seriösen Möglichkeit. Ich möchte Euch bitten, diese Mail und den folgenden Link zu teilen und natürlich, wenn möglich, auch zu spenden. Jede kleine Summe hilft, das Ziel zu erreichen. Es ist wirklich unkompliziert. Bei Startnex findet Ihr dann viele Fotos, genaue Erklärungen und ein Video von mir zu dem Buch. Und natürlich auch meine ‚Dankeschön‘- Geschenke an Euch, sofern Ihr spendet und die gesamte Summe am Ende der Zeit erreicht wird. Da ich in dieser Zeitspanne auch Geburtstag habe, wäre es dieses Jahr mein schönstes Geschenk, wenn Ihr spendet und den Link mit der Spendenaktion weit verbreitet, privat oder/ und über soziale Netzwerke, alles ist erlaubt.

Ich bin jetzt ziemlich aufgeregt und freue mich, dieses wunderbare Buch so schnell wie möglich durch den Geburtskanal (Druckerei) rutschen zu lassen und damit in diese Welt zu bringen.

Über den Link kommt Ihr direkt zum Buch. Ich danke Euch von Herzen!!! Eure Petra

https://www.startnext.com/vergissmeinnichterinnerung

Auch Dein Dämon tut Liebe brauchen :-)

Dämon

Ja, auch Dämonen möchten geliebt werden, die Inneren wie die Äußeren, denn sie sind unsere eigenen Schöpfungen, die wir irgendwann loswerden wollten wie unbequeme Kinder, weil wir unbewusst waren und die Kontrolle verloren haben.

Die Dämonen randalieren nun, um uns mit allen Mitteln darauf aufmerksam zu machen, dass wir sie entweder selbst erschaffen oder zumindest angezogen haben, durch ein entsprechendes Resonanzfeld, wie Angst, Wut oder gar Hass. Sie lassen uns frieren, sie machen uns schlechte Gefühle, nur damit wir hinschauen.

Sie zeigen uns auch, dass JEDES Urteil über andere unsere eigene Heilung verhindert.

Wenn wir sie jedoch ehrlich und liebevoll annehmen, sie erkennen und ihnen einen sicheren Platz in unserem Herzen anbieten, dann können sie sich verwandeln und erlösen. Dann müssen sie nicht mehr böse sein und wenn wir ganz still werden, können wir sie leise vor Erleichterung seufzen hören, bevor sie sich auflösen. In einem Resonanzfeld aus Liebe kann kein Dämon existieren. ( Ähnlich ist das auch mit den Monstern unterm Bett… aber das ist eine andere Geschichte. )

Das heißt nicht, dass es leicht ist, wer kann schon immer Liebe sein. Aber jede Reflektion unserer selbst ist ein Schritt in die Heilung.

©Petra Möller (Bild und Text)

ulli flyer abend

Kleine, feine Lesung in Schwerin

Wie magisch ist es …

Wie magisch es doch ist, wenn zwei Menschen eine gemeinsame Vision teilen, wenn die eigenen Bedürfnisse nicht in müder Bedürftigkeit enden, sondern ein hellwacher Beginn sind. Der Beginn eines gemeinsamen Dienens für etwas Größeres, anstatt lediglich das eigene Ego zu füttern.  Wie magisch ist es, sich zu ergänzen, aber nicht als zwei Hälften, sondern als zwei vollständige und ganze Wesen, die ihren Dienst dem großen Ganzen widmen. Wobei jeder auf seine Weise einen Kreislauf nährt, der sich verbindend,

die Vision in Realität verwandeln kann.

© Petra Möller

Wiedersehen

Bilder zieh‘n aus fernen Zeiten, sich weit verwebend  durch mein Herz.

Was einmal war, wird kurz zum Jetzt, vereint im einzigen Moment, wie eine leise Melodie. Und doch erscheint es mir so nah, ist es so wärmend und vertraut. Wie endlich hier und endlos in der Ferne. Alles lebt, bewegt sich, und es tanzt vorbei an Augen, die tief schauen, die sehen dürfen so real. Auch wenn es heute alles neu ist, so ist es auch so alt, so warm.

Danke für das tiefe Sehen, danke für die schöne Zeit, warmes Herz, vertraute Seele, danke für das Sein in Zeit und Raum. Danke für das neue Heute, das so anders ist und frei. Frei unsere Seelen, tief gereift, gleich wertig und im Gleichgewicht. Neu verwebt sind jetzt die Fäden, die uns im Jetzt so sanft verbinden um uns von Altem zu befreien.

Sichtbar wird die Ewigkeit, Wahrheit zeigt sich wie ein Baum, tief verwurzelt in der Erde, immer strebend nach dem Licht, gleichsam so wie du und ich.

© Petra Möller

Wenn der Schock das Herz nicht mehr verschließen kann….

In letzter Zeit hatte ich das Gefühl, nicht mehr schreiben zu können, nun kann ich es wieder. Weil ein Ereignis, das wie ein Blitz vom Himmel kam, mich innehalten ließ. Ich hörte innerhalb von Sekunden auf, mich selbst zu überholen. Entschleunigung. Zeitlupe im Körper und im Geist. Es war nur ein Satz von einem freundlichen Arzt, der einen heilsamen Schock auslöste. Etwas steckt wohl in meinem Körper, das da nicht hingehört. Es kann alles sein. Auch ein Tumor. Mein tiefstes Inneres fühlt, dass es keiner ist und dennoch reagiert mein Körper. Die Knie zittern, ich friere und klappere mit den Zähnen. Tränen drängen sich ihre Bahn. Die gesamte Oberfläche kräuselt sich, wie ein See bei plötzlich starkem Wind. Die Wellen peitschen ans Ufer, fließen wieder zurück, ziehen Steine und Sand mit sich in den See. Fremdkörper, die sich als Erfahrungen anderer Menschen in meine Gedanken drängen.

Ich sehe meine Freundin, die an Brustkrebs erkrankt ist, ich sehe ihre Angst, aber auch ihre Tapferkeit, ihren unglaublichen Mut und Enthusiasmus, ihren Willen zu leben. Ich sehe genauso die Menschen, die ich im Hospiz auf ihrem letzten Weg begleitet habe. Auch sie sind Helden für mich. Helden, scheinbar ohne Happy End. So meinen es zumindest die „normalen“ Menschen. In meinen Augen gibt es immer ein Happy End. Auch der Tod kann ein wundervolles Happy End sein für eine Neugeburt in die anderen Welten, jenseits unserer engen Vorstellungen.

Während also mein Körper ausrastet und mein Verstand Bilder anderer Menschen projiziert, passiert in meinem Innersten, in der Tiefe, etwas Seltsames. Es wird immer stiller dort, zufriedener. Da lebt ein Buddha, der mir lächelnd sagt: Alles was ist, ist genauso in Ordnung. Mein Verstand, ungläubig wie es nun einmal seiner Art entspricht, will das nicht hören, er will Ergebnisse, Voraussagen, Sicherheiten. Aber der Buddha hat keinerlei Lust darauf, er wird noch stiller, noch friedlicher und irgendwann beruhigt sich durch seine Stille auch die Oberfläche meines Seins. Ich bleibe handlungsfähig, arbeite sogar und ich habe tatsächlich wieder Hunger. Dankbarkeit überflutet mich. Selbst wenn es ein Tumor ist, ich habe gelebt. Nur ein paar Jahre sind es in Wirklichkeit, aber diese Jahre zählen mehr, viel mehr, als die lange Zeit der Unbewusstheit. Und ich fühle mich tatsächlich geliebt, auch erst seit sehr kurzer Zeit, aber dafür umso intensiver. Diese Dankbarkeit nimmt mir für den Moment jeden Schrecken, jede Angst.

Natürlich weiß ich nicht, ob sie wiederkommt, die Angst ist tückisch. Vielleicht erscheint sie dann, wenn ich zu der abklärenden Untersuchung gehe, vielleicht auch erst, wenn eine Woche später der Befund da ist. Im Moment ist sie jedoch weg und ich fühle mich geborgen wie in einem Nest. Meine Seele ist nun mein Heimathafen, der Verstand ist lediglich ein kleines Boot, das hilflos umhertreibt und verunsichert schweigt. In meinem Herzen fließt Liebe hinaus und hinein, in einem ausgeglichenen Strom. Tränen fließen auch, aber es sind Tränen der Berührung, weil ich meine Seele so stark spüre wie nie zuvor, weil ich nun in der Tiefe fühle, wie sehr sie mein wahres Zuhause ist. Ich fühle mich angekommen. In meiner Seele und auch in meinem Herzen, in dem eine Liebe wächst, die Raum und Zeit überwindet und gleichermaßen ihren Anker auf der Erde geworfen hat.

Mitten in der Vergänglichkeit ist plötzlich so viel Licht. Ich habe lange gebraucht, auch alleine glücklich zu sein. Und als ich mich damit zufrieden gab, nichts mehr wollte, da kam die Liebe auch von außen. So unmittelbar, in so einer Reinheit, wie ich es nie zu glauben gewagt habe in der Vergangenheit. Diese Liebe gibt mir nun noch viel mehr Kraft und Mut, mich dem alten Dämon, der nun auftaucht zu stellen, diesem Dämon aus Zeiten der Nichtliebe, den ich selbst erschuf, in Ablehnung und Selbsthass. Die Liebe hat ihn mit ihrem hellen Licht sichtbar gemacht und ich werde ihn in den Arm nehmen, um Vergebung bitten und ihn annehmen, so wie er ist. Ich nehme ihn ernst, schaue tief nach Innen, um ihn zu verstehen und Heilung zu erwirken. Ich möchte leben, endlich leben und alle meine Dämonen wie einst ungeliebte Kinder in die Arme schließen, sie die Liebe spüren lassen, die ich nun freizügig und unbegrenzt geben kann. Weil mein Herz sich nicht mehr verschließen wird, egal was kommt. Geben und empfangen in einem ausgeglichenen Strom, so wie ein ewiger Kreislauf. Und dieser Kreislauf wird nichts mehr ausschließen.

Natürlich bitte ich von Herzen darum, dass es kein Tumor, sondern etwas Harmloses ist. Ich verspreche wach zu bleiben, auch wenn alles gut wird. Nie wieder einschlafen ins Unbewusste! Ich bin bereit, mich meiner Verantwortung zu stellen, ich möchte mein Bewusstsein noch weiter ausdehnen, ich möchte noch so viel geben in dieser Welt. Ich weiß nicht, ob es eine Prüfung oder tatsächlich eine Manifestation ist, es gibt keine Sicherheit. Dennoch wähle ich Vertrauen und Liebe, da ich nicht wissen kann, in welcher Tiefe der Sinn noch verborgen bleibt. Ich lerne zu warten, mich immer wieder auszurichten und mutig zu sein. Irgendwann sagt mein Herz leise das, was ich in dem Buch „Die drei Lichter der kleinen Veronika“ so liebe: „Mitternacht ist vorbei und es ist Morgen geworden“.

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